Deutschland am Scheideweg

Gerald Braunberger analysiert den Epochenbruch in Geopolitik und Globalisierung

Eine neue Realität: Deutschland zwischen Anpassung und Einfluss

Am 21. Mai 2026 diskutierte Gerald Braunberger, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Träger des Ludwig-Erhard-Preises für Wirtschaftspublizistik 2024, die drängenden Herausforderungen, vor denen Deutschland in einer sich rasant wandelnden Welt steht.

Sein Fazit: Die vertraute globale Ordnung bröckelt – getrieben durch geopolitische Umbrüche, die weit über die Politik von Donald Trump hinausreichen. Wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen werden zunehmend konfrontativer ausgetragene. In dieser neuen Realität habe Deutschland nur dann eine Chance, wenn es sich grundlegend anpasst.

Die Diagnose: Abweichung vom Wachstumspfad

Braunberger legte den Finger in die Wunde: Deutschland habe in den letzten Jahren den Anschluss an den globalen Wachstumspfad verloren. Seine Analyse zeigte auf, wie strukturelle Schwächen, zögerliche Reformen und eine zuweilen realitätsferne Selbstwahrnehmung das Land in eine schwierige Position gebracht haben. Doch die Lösung liege nicht im Rückzug, sondern in einer klaren Westbindung, einem erneuerten Europa und vor allem in tiefgreifenden Reformen im eigenen Land.

Die Strategie: Soziale Marktwirtschaft als Kompass

Als Wegweiser betonte Braunberger die Stärken der Sozialen Marktwirtschaft – ein Modell, das Wettbewerbsfähigkeit mit sozialem Ausgleich verbindet. Gleichzeitig unterstrich er die Notwendigkeit, die internationale Handlungsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Die Chancen seien da, so Braunberger, doch nur, wenn das Land bereit sei, sich den neuen globalen Realitäten zu stellen: durch mehr Investitionen in Innovation, eine klare Positionierung in der Wertegemeinschaft des Westens und eine europäische Zusammenarbeit, die über bloße Absichtserklärungen hinausgeht.

Fazit: Handlungsdruck statt Lamentieren

Braunbergers Appell war klar: Deutschland stehe vor der Wahl, entweder den Status quo zu beklagen oder die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen. Die Werkzeuge dafür – eine starke Wirtschaft, enge Partnerschaften und Reformwillen – lägen bereit. Es brauche nun den Mut zur Umsetzung.

„Die Welt verändert sich. Deutschland muss es auch.“
– Gerald Braunberger

Thomas Wagner

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