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Die Auferstehung: Fakt oder Fiktion?

Kurz vor dem Osterfest war am 23. März 2026 Pastor Christian Olding erneut zu Gast im Römerforum. In seinen Ausführungen befasste er sich ausführlich mit dem bevorstehenden Fest der Christenheit. An Ostern feiern Christen die Auferstehung. Sie feiern den Glauben daran, dass Leid und Elend nicht gesiegt haben und dem Tod das letzte alles bestimmende Wort genommen wurde.

Sie feiern, dass Jesus Christus von den Toten auferweckt worden ist und wir deswegen Hoffnung haben dürfen, dass auch nach unserem Sterben noch etwas zu erwarten ist. Doch: Gibt es gute Gründe, das zu hoffen? Oder ist es nur eine Vertröstungsstrategie, um der bitteren Wahrheit nicht ins Gesicht sehen zu müssen, dass mit dem Tode alles aus ist? Diese Frage ist keine theoretische. Sie ist existenziell. Sie trifft uns nicht nur, wenn wir bei einer Beerdigung am offenen Grab eines lieben Verstorbenen stehen, und uns fragen: War es das jetzt? Diese Frage steht bei den großen gesellschaftlichen Krisen unserer Zeit im Raum: Wenn Menschen an den Grenzen Europas sterben. Wenn wir in den Nachrichten von Massengräbern in Kriegsgebieten hören. Wenn Eltern ihr Kind beerdigen müssen, das einem Amoklauf, einer Katastrophe, einem Unfall oder einer Krankheit zum Opfer gefallen ist. Wenn in Pflegeheimen Menschen allein sterben, weil niemand Zeit hat, sich dazuzusetzen.
In all diese Momente hinein stellt sich die Frage: Ist es das gewesen? Ist unser Körper lediglich das Ergebnis eines evolutionären Zufalls? Ist unser Bewusstsein ein neuronales Feuerwerk, unsere Persönlichkeit Biochemie und wenn der Körper stirbt, ist es schlicht aus? Ist das Leben eine Aneinanderreihung von Momenten, die schlussendlich und schlimmstenfalls im Archiv der Sinnlosigkeit verschwinden? Geht die Geschichte eines Menschen wirklich einfach so zu Ende?

Am Ende geht es um eine Entscheidung im Sinne eines Vertrauensvorschusses: Halte ich an der Vorstellung fest, dass alles nur vergänglich und damit endlich ist? Oder traue ich der Hoffnung? Die Auferstehung ist keine Antwort, die sich beweisen lässt. Aber sie ist eine Antwort, die das Beste in uns ernst nimmt: unsere Sehnsucht nach Sinn, unsere Empörung über Unrecht, unseren Durst nach Liebe und unsere Hoffnung auf eine Lebensgeschichte, die bleibt. Der Glaube an die Auferstehung ist die kühnste, tröstlichste und zugleich realistischste Hoffnung, die diese verletzte Welt haben kann.

Thomas Wagner

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