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Klarheit

Man könnte mit den beiden Texten von heute schnell fertig sein, es geht um Ehrlichkeit und ums Beten. Ich gehe mal davon aus, dass alle wissen, was Ehrlichkeit bedeutet, auch wenn wir Menschen genetisch bedingt ununterbrochen lügen. Laut wissenschaftlicher Untersuchungen 1- bis 2-mal am Tag, aber es gibt auch die Behauptung wir würden es bis zu 200-mal am Tag tun und bei einigen fällt es mir nicht schwer das zu glauben.

Meist lügen wir aber dann nicht mit Absicht, umso schlimmer, wenn doch und daher ist es verwerflich, wenn wir es bewusst tun und unaufrichtig sind. Da könnte man schön wieder so wunderbar drüber sinnieren, was „aufrichtig sein“ bedeutet. Wer die Wahrheit spricht, der ist nicht nur aufrichtig, der steht und geht aufrecht, weil er offen allen in die Augen schauen kann. Der Lügner geht gebeugt, denn er weiß um seine Lügen und traut sich nicht andere anzuschauen.

Ja, und über das Beten muss man wohl an einer christlichen Schule nicht viel erklären, soweit die Theorie. Also was steckt noch in und hinter den Texten, dass wir uns die Zeit nehmen darüber genauer nachzudenken? Im Gottesdienst kennen wir den Satz: „Wort des Lebendigen Gottes“, welcher an die Lesungen angefügt wird und bringt zum Ausdruck, dass der Text, den man hörte, lebendig ist. Aber was bedeutet lebendiger Text? Das Wort Gottes lebt, damals und heute und es tritt demzufolge in einen Dialog mit dem, der es hört. Die Geschichte, die wir von Paulus gehört haben, berührt vielleicht in manchen Punkten auch unsere eigene Lebensgeschichte, denn sie ist kein toter Buchstabe, sondern eine Anfrage. Die Frage: bin ich bereit, wie Paulus, mich Anfragen zu lassen und rückzufragen, mich rückzuversichern, dass ich nicht ins Leere laufe? Vor allem aber, bin ich bereit zu widerstehen, wenn mein Verhalten oder das anderer nicht mehr stimmig und authentisch ist. Konflikte anzusprechen und wenn nötig auch auszutragen. Das ist oft nicht einfach, aber auf jeden Fall notwendig. Dafür kann uns das Wort Gottes hilfreich sein, denn das Wort des lebendigen Gottes befähigt und stärkt dazu Haltung anzunehmen. Eine Haltung die wir dringend brauchen, in der Kirche, auf Arbeit, in unserer Freizeit überhaupt in unserem Leben. „Dank sei Gott“ ist dann eine andere Antwort auf die Lesung, die da gut passen würde.

Wir sind ja oft in dem Zustand uns an Situationen anzupassen, einzufügen oder wie wir manchmal ganz archaisch sagen „mit den Wölfen zu heulen“, um damit zum Ausdruck zu bringen, dass wir ja gar keine andere Wahl hatten als uns genauso zu verhalten oder zu handeln, zu reden oder eben gar zu lügen.

Paulus zeigt uns sehr deutlich, dass es auch anders geht, dafür setzt er sogar die Eintracht in der Gemeinde und sein gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern und Freunden aufs Spiel. Das ist nicht leicht und erscheint manchmal sogar dumm, schließlich kann man doch mit denen, die man gut kennt, nachsichtig sein. Die Frage ist nur, wann aus Nachsicht Vetternwirtschaft wird.

Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sind Eigenschaften, sie gehören zu den Werten, sie machen deutlich mit welcher Haltung ich durchs Leben gehe.

Und so ist es auch beim Beten, wo es eben auch auf die Haltung ankommt, auf die Absicht, mit der ich bete und nicht auf Wünsche und Ziele?

„Herr, Lehre uns beten“ ist die Bitte des Jüngers im Evangelium. Diese Bitte zieht sich durch die Zeit, zu allen Zeiten an vielen Orten wurde von zahlreichen Menschen so schon oft gefragt.

Man hört sie von Menschen im Krankenhaus, die sich in ihrer Not an Gott wenden und nach Worten ringen. Man hört sie von Menschen, die verzweifelt sind, die sich in ihrer Hilflosigkeit an Gott wenden und nach Orientierung suchen. Man hört sie von Menschen, die nicht weiterwissen und sich in Ihrer Orientierungslosigkeit an Gott wenden und nach Wegen suchen. Das Gebet, dass Jesus seine Jünger und uns heute lehrt, ist etwas wie ein Konzentrat. Den es enthält alles, was der Mensch braucht für den Körper und den Geist. Es bittet um das, was wir an Leib und Seele benötigen, es beinhaltet die Selbstverpflichtung zur Vergebung, und natürlich enthält es das Lob Gottes und die Bitte darum in sein Reich zu gelangen. Wird es aus ganzem vollem Herzen gesprochen, so entfaltet es auch seine Wirkung.

Es ist sicher eine gute Idee das Gebet des Herrn am Morgen zu beten, ehe man in den Tag geht und am Abend, ehe man ihn abschließt.

Es gibt dem Leben nicht nur einen geistlichen Rahmen, sondern es kann uns erfüllen mit Dankbarkeit und Zuversicht. Es geht nicht um Errettung aus Not, um Lösung von Problemen oder Erfüllung von Wünschen, sondern es geht um den Alltag, um die Bitte das Nötige für das Leben zu bekommen. Es kommt eben auf die Haltung an, was ich erbitte. Wie bei der guten Fee, bei der man sich genau überlegen sollte, was man sich wünscht, wenn man drei Wünsche frei hat, damit nicht Wunsch drei den ersten Wunsch wieder relativiert.

Das hat auch etwas mit Klarheit zu tun, den Begriff „Klarheit“ habe ich für mich über diese Predigt geschrieben. Klarheit bei dem, was man tut und sagt. Klarheit bei dem, was wir von anderen und Gott erwarten.

Ich denke, dass uns Paulus mit seinen Worten genauso wie Jesus mit dem Vaterunser eine gute Orientierung für unser Leben gibt und damit für Klarheit sorgt.

Was so kurz und knapp im Dekalog mit: Du sollst nicht lügen!“ gesagt wird, wird bei Paulus genauer am Versagen einzelner beschrieben und uns vor Augen geführt, was Aufrichtigkeit bedeutet. Und Jesus gibt uns zugleich Handwerkszeug mit, wie wir Gott gezielt um seinen Beistand dafür bitten können ohne viel Worte zu machen.

Für Klarheit sorgen, im eigenen Leben, im Umgang mit den anderen und gegenüber Gott, das sollte doch klar sein, oder?

Amen. 

Und der Friede Gottes, der höher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lesung (Gal 2, 1-2. 7-14)

Evangelium (Lk 11, 1-4)

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Pfr.i.E. Kay Lohse