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Gedenken für Michèle Kiesewetter

Das Peter-Breuer-Gymnasium hat die Patenschaft für den Gedenkbaum an die ermordete Polizistin Michèle Kiesewetter im Schwanenteichgelände übernommen. Dieser Verantwortung kommen wir jedes Jahr in Kooperation mit dem Alten Gasometer nach: Rund um den Geburtstag der jungen Polizistin besucht eine Schülergruppe den Baum, um ihrer zu gedenken.

In diesem Jahr fiel der Geburtstag in die Herbstferien, sodass wir den gewohnten Termin nicht einhalten konnten. Am zweiten Schultag nach den Herbstferien, dem 27. Oktober 2026, haben wir das Gedenken nachgeholt: Schülerinnen und Schüler des Sprachprofils der Klassenstufe 9 gingen gemeinsam mit Lehrkräften zum Schwanenteich und gedachten dort in einem stillen Moment der Verstorbenen.

Zum Zeichen der Erinnerung hängten sie Papierkraniche in die Zweige des Baumes.

Der Kranich ist in vielen Kulturen ein starkes Symbol. Er steht für Frieden, Hoffnung und ein langes, glückliches Leben, in Japan zudem für Glück und Treue. Der gefaltete Papierkranich, der Origami-Kranich, ist dort zum Zeichen des Friedens geworden: Nach einer alten Überlieferung geht ein Wunsch in Erfüllung, wenn man tausend Kraniche faltet. Weltweit bekannt wurde diese Tradition durch das Mädchen Sadako Sasaki aus Hiroshima, das nach dem Atombombenabwurf erkrankte und Kraniche faltete, in der Hoffnung auf Genesung. Heute stehen Papierkraniche für den Wunsch nach Frieden und gegen Gewalt. Zudem ist der Kranich als Zugvogel, der immer wieder zurückkehrt, ein Bild für Verbundenheit über Zeit und Raum hinweg.

Genau das soll unser Gedenken ausdrücken: Die Kraniche im Baum erinnern an Michèle Kiesewetter, die viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde, und sie sind zugleich ein Zeichen der Hoffnung auf Frieden und ein gewaltfreies Miteinander.

Michèle Kiesewetter wurde 2007 im Alter von nur 22 Jahren in Heilbronn im Dienst ermordet. Die Tat wurde später dem rechtsextremen „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) zugerechnet, der in Zwickau über Jahre im Untergrund lebte. Gerade deshalb ist es uns als Schule in Zwickau ein Anliegen, die Erinnerung an das Opfer wachzuhalten und deutlich zu machen: Menschenverachtende Gewalt und Extremismus haben in unserer Gesellschaft keinen Platz.

Mit dem jährlichen Gedenken wollen wir ein Zeichen setzen – für das Erinnern, für Zivilcourage und für ein friedliches Miteinander. Dass dieses Anliegen den Schülerinnen und Schülern wichtig ist, zeigt ihr Engagement, ob am Geburtstag selbst oder, wie in diesem Jahr, einige Tage später.

Thomas Wagner

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